Wenn nun in etlichen Gemeinderäten...

… neuerdings gewählte Verteterinnen und Vertreter der AfD Platz nehmen – wie gehen dann die demokratisch gesinnten Mitglieder der Gremien mit ihnen um? Sind das einfach Menschen, zu denen man inhaltliche Unterschiede empfindet, mit denen man aber das Gespräch sucht? Vielleicht auch, um ihre Wählerinnen und Wähler nicht aus dem Auge zu verlieren? Sind das ganz normale Gemeinderät:innen, nur eben von einer anderen Partei?

Oder ist diese Partei, die sich „Alternative für Deutschland“ nennt, ein Grund, jeden politischen und persönlichen Kontakt mit den Menschen zu vermeiden, die sich ihr durch eine Kandidatur zur Verfügung stellten?

Von dem 2016 gestorbenen Journalisten und Publizisten Roger Willemsen ist folgender Gedanke überliefert: „Hitler hat einmal in einem merkwürdig klarsichtigen Satz, über den ich mich immer gewundert habe, gesagt: ,Ich habe die Demokratie mit ihren eigenen Regeln zur Strecke gebracht‘. Von dieser Einsicht aus lohnt es sich, in allen Staaten, ganz egal, wie human sie verfasst sind, auf die Stellen zu schauen, an denen sie sozusagen umkippen können.“

Eine große Mehrheit von Aktiven des Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz sieht die Gefahr, dass mit dem Einzug der AfD in kommunale Gremien ein solcher Kipp-Punkt entstehen könnte, wenn die anderen Mitglieder nicht ausreichend klar reagieren. Darum veröffentlichen wir hier das Video „Kuschelt nicht mit den Anti-Demokraten“ von Jochen Faber, einem Aktiven im AK Dialog Synagogenplatz, und stellen es zur weiteren Diskussion.



Nächstes Treffen: Montag, 15. Juli

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Einen Rückblick auf zurückliegende Ereignisse rund um den Synagogenplatz, eine Diskussion der aktuellen Lage und ein Ausblick auf kommende Veranstaltungen – all das gibt es am Montag, 15. Juli, ab 19:30 beim Treffen des Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz. Der Ort ist die Schillerstraße 13/2, Ludwigsburg (Besprechungszimmer von INFO & IDEE).

Besonders Überlegungen zur Veranstaltungen am 10. November dieses Jahres stehen an – in welcher Form soll in diesem Jahr an die Zerstörung der Ludwigsburger Synagoge durch örtliche Handlanger des Terrorsystems erinnert werden?

Alle Interessierten sind herzlich willkommen.


Rahel-Straus-Preis 2024 für den Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz

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Mazen Mohsen sorgte für einen würdigen und ansprechenden musikalischen Rahmen – unter anderem mit einer Hymne auf die Freiheit und liebevolles Miteinander.

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Landtagsvizepräsident Daniel Born überzeugte mit einer motivierenden Rede über die Notwendigkeit, politische Dramen in Erinnerung zu behalten.

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Mitglieder des Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz bekamen von Wolfgang Dästner den Rahel-Straus-Preis auf dem Synagogenplatz in lyrischer Form zugeeignet.

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Schülerinnen und Schüler der Jerg-Rathgeb-Schule aus Herrenberg berichteten von ihren Aktivitäten im Rahmen der Toscano-Ausstellung und danach.

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Der Nachmittag auf dem Synagogenplatz war ein tolles Ereignis. Es zeigte sich, wie vielfältig und lebendig ein sorgfältiger Umgang mit der Vergangenheit sein kann.

Für ihre gegenwartsbezogene Erinnerungsarbeit haben der Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz und der Förderverein Synagogenplatz Ludwigsburg am 20. Juni den Rahel-Straus-Preis bekommen. Der Preis wird verliehen vom Verein „Gegen Vergessen. Für Demokratie“ Baden-Württemberg und unterstützt von der Berthold Leibinger Stiftung.


Bei der Preisverleihung konnte Birgit Kipfer, die Sprecherin des Vereins, neben Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht und Isabel Schwab von der Berthold-Leibinger-Stiftung auch Daniel Born, als Redner begrüßen, den Vizepräsidenten des Landtags von Baden-Württemberg. Er unterstrich lebendig und anschaulich die Bedeutung von Erinnerung an die dramatische Geschichte in der Zeit der Nazi-Diktatur. Die Koffer-Skulpturen auf dem Synagogenplatz seien da ein wichtiges Bild in der Öffentlichkeit – als Erinnerung und als Mahnung. Da aktuell rechtsradikale Kräfte davon träumten, dass Millionen Menschen wieder ihre Koffer packen müssten, sei die Zivilgesellschaft gefordert. Und sie sei bereit, aus der Geschichte zu lernen: „Wir lassen uns die Demokratie nicht wegnehmen!“


Für dem Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz beschrieben Jochen Faber, Frank Hofmann und Anne Kathrin Müller Grundsätze und einzelne Projekte ihrer Arbeit (hier nachzulesen…).


Gleichzeitig mit der Ludwigsburger Initiative wurden Jugendliche aus der Herrenberger Jerg-Rathgeb-Realschule ausgezeichnet. Sie hatten im Herbst 2023 eine Ausstellung mit künstlerischen Fotos von Überlebenden des Holocaust veranstaltet. Als Bilder der Ausstellung mit Nazi-Symbolen beschädigt wurden, gaben sie nicht auf, sondern verstärkten ihr Engagement für Aufklärung. Sie qualifizierten sich zu Ausstellungs-Guides und brachten die Geschichte hinter den großformatigen Bildern von Luigi Toscano einer wachsenden Schar von Interessierten nahe (hier ein Link zu einem Bericht aus der Zeit der Ausstellung).



Der Preis ist benannt nach der Ärztin und Politikerin Dr. Rahel Straus (1880 in Karlsruhe geboren, gestorben 1963 in Jerusalem).

Einen aufschlussreichen Lebenslauf von Rahel Straus gibt es auf der Seite „Demokratiegeschichten“, geschrieben von Wolfgang Dästner > Link




Grundgesetz-Fest 2024: Viel Demokratie wagen!


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Der Arbeitsplatz Dialog Synagogenplatz organisierte für den 23. Mai 2024 ab 18 Uhr eine Geburtstagsfeier für das Grundgesetz – denn die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland wurde an diesem Tag 75 Jahre alt.

Aus diesem Anlass belegten Menschen aus Ludwigburg, wie gut das Grundgesetz ist – wie gut sich auf dieser Grundlage die eigene Persönlichkeit entfalten lässt, wie wichtig Kultur und Pressefreiheit sind, wie sehr es sich lohnt, gründlich hinter die Kulissen der Nazi-Verbrechen zu schauen und auch aktuelle Konsequenzen daraus zu ziehen.

• Penda Gueye, Ludwigsburger Schülerin aus einer Einwanderer-Familie, beschrieb, wie sie ihr Leben durch die Freiheiten gestalten kann, die das Grundgesetz garantiert.

• Susanne Mathes, Journalistin in Ludwigsburg, erläuterte die Bedeutung der Pressefreiheit und der Informationsfreiheit (die auch bedeutet, Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können).

• Hans Pöschko vom Förderverein Zentrale Stelle stellte die Bedeutung dieser Ludwigsburger Ermittlungsstelle von NS-Verbrechen für das Geschichts-Bewusstsein im Land und die Wahrnehmung von Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit bei jungen Menschen dar.

• Bettina Gonsiorek, Leiterin der Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg, sprach über die gesellschaftliche Bedeutung von Kultur – und die Notwendigkeit, ihren Freiraum auch in Zeiten knapper Mittel zu stärken.

• Schüler:innen des Ludwigsburger Goethe-Gymnasiums beschrieben gemeinsam mit einem Austausch-Schüler vom Lycée Robert Schuman in Hagenau, wie das friedliche Zusammenleben der Völker ganz praktisch im Alltag entwickelt werden kann.

• Musikalisch gestaltet wurde die Feierstunde Dennis Müller – Profi-Pianist und Pfarrer an der Ludwigsburger Friedenskirche –, dem Sänger Tobias Lampert und Juliane Mangold mit ihrer Handpan.

Mit dieser Veranstaltung verband der Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz den verstärkten Aufruf, an der der Kommunal- und der Europawahl am 9. Juni teilzunehmen und demokratische Listen zu stärken.

DANKE an alle Beteiligten – die mitgewirkt haben, die da waren und die, die das Grundgesetz im Alltag immer wieder bewusst machen. Denn wir haben viel zu feiern und wir haben viel zu verteidigen.

Grundgesetz,
wo stand deine Wiege?
Wo kamst du zur Welt?
Grundgesetz,
du bist der Republik
so friedliebend vorangestellt.

Du sicherst jedem Menschen,
der hier mit andren lebt
und friedlich leben möchte,
alle Würde,
alle Freiheit,
alle Menschenrechte.

Deine Wiege stand
nicht auf Herrenchiemsee,
– Insel, Schloss und Tagungsort – .
Und bei den ausgestopften
Tieren im Bonner Museum?
Nein, sie stand nie dort.

Deine Wiege, Grundgesetz,
stand damals schon bei allen,
die Nachbarn war’n und doch
ausgegrenzt war’n und verfolgt
und massakriert – in deren Wohnung
steht deine Wiege heute noch.

Deine Wiege, so wie du,
steht auf den Plätzen der Zerstörung,
wo Bosheit herrschte, Hass und Streit.
Da standest du, da stehst du,
gibst allen Schutz und brauchst doch immer
von allen neue Wachsamkeit.

Die immer wieder gestellte Frage, warum das Grundgesetz ausgerechnet auf dem Synagogenplatz gefeiert werde, beantwortete Moderator Jochen Faber mit diesem Gedicht.



Der Synagogenplatz:

Ludwigsburger Nazis zerstörten die Synagoge am 10. November 1938. Ihr Platz erinnert heute an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die unter dem NS-Regime ausgegrenzt, beraubt, verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.
Und er fordert täglich auf, die Menschenrechte zu achten – auch die von Menschen, die heutzutage aus ihrer Heimat fliehen müssen.

Schüler*innen des Schiller-Gymnasiums Ludwigsburg erinnern an jüdische Ludwigsburgerinnen und Ludwigsburger.
Am 23. Mai feiern Menschen auf dem Synagogenplatz den Geburtstag des Grundgesetzes – die Verfassung ist eine Lehre aus den NS-Verbrechen.
Am 10. November versammeln sich viele Menschen auf dem Synagogenplatz, weil an diesem Tag im Jahr 1938 die Nazis das Ludwigsburger Gotteshaus anzündeten.
Eine Informationsveranstaltung mit Jugendlichen und Erwachsenen auf dem Synagogenplatz Ludwigsburg.
Beethovens Musik und Schillers Text: „Alle Menschen werden Bründer“, interpretiert von zwei syrischen Musikern auf dem Synagogenplatz.
Bei den Erinnerungsveranstaltungen auf dem Synagogenplatz sind die Koffer-Skulpturen stets stumme Zeugen. Sie erinnern an jüdische Ludwigsburger*innen, die von den Nazis ermordet wurden.
Ein fröhliches Fest auf dem Synagogenplatz? Natürlich auch, denn es gab seine Renovierung zu feiern.
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Schülerinnen und Schüler informieren sich über die Geschichte des Synagogenplatzes und seiner Menschen.
Eine „interreligiöse Tour“ auf dem Synagogenplatz – ein Aufruf zu Wachsamkeit und Toleranz.
HipHop auf dem Synagogenplatz, das Publikum quer durch alle Altersstufen. Perfekt.
Darf man sich auf die Koffer-Skulpturen setzen? Natürlich. Am besten mit vielen Informationen zum Synagogenplatz und den Menschen, deren Namen auf den Koffern stehen.

Rolf Bopp war sechseinhalb Jahre alt, als er das Werk der Nazi-Brandstifter von Ludwigsburg sah: Am 10. November 1938 um die Mittagszeit legten diese Feuer im jüdischen Gotteshaus der Stadt. Dass dies der Beginn von willkürlichen Verhaftungen, Verfolgung, Raub, Vertreibung und vielen Morden war, wusste das Kind damals noch nicht. Im September 2023 erinnert sich der rüstige Ludwigsburger daran, was er vor nahezu 85 Jahren gesehen hat.

Die Aufnahme ist eine wertvolle Ergänzung zu früheren Bereichten von Zeitzeug:innen, die der Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz bereits 2011 aufnehmen konnte – eine Zusammenstellung dieser Videos findet sich unter diesem Link….


Rückblick auf den 28. Janauar 2024

7.000 Menschen stehen für Demokratie und Vielfalt. Die Enthüllungen über die Deportations-Phantasien von Rechtsradikalen einschließlich der AfD bringen im Januar 2024 Hunderttausende von Menschen in Deutschland auf die Straßen. Alleine in Ludwigsburg kamen am 28. Januar 7.000 Menschen zusammen, um für Demokratie und Vielfalt zu demonstrieren.

Auch der Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz war mit einem Beitrag vertreten. Der Text ist hier zu finden…

Vertreter:innen der Stadt Ludwigsburg, des Arbeitskreis Asyl, des Bündnis für Vielfalt, des Hotel- und Gaststättenverbands für die Wirtschaftstreibenden im Kreis, der IG Metall und der Gewerkschaft VerDi sowie die Bundestagsabgeordneten von CDU, Grünen und SPD waren auf Initiative der Grünen-Landtagsabgeordneten Silke Gericke dabei.


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Gerne bieten Mitglieder des Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz interessierten Gruppen, Schulklassen usw. betreute Besuche auf dem Synagogenplatz an – gegebenenfalls mit anschließendem Rundgang zu einigen Stolpersteinen, die an Ludwigsburger Opfer des NS-Terrors erinnern.

Je nach Bedarf der Gruppe können die angebotenen Informationen und Gespräche in thematisch und im zeitlichen Umfang passend vorbereitet werden. Bei Interesse melden Sie sich bitte per E-Mail…

Wer eine eigene Unterrichtseinheit vorbereiten möchte – für eine Schulklasse, eine Gruppe im Konfirmandenunterricht oder in welchem Zusammenhang auch immer – ist herzlich eingeladen, hier angebotenes Material zu nutzen. Entwickelt wurde es für evangelischen Religionsunterricht, einsetzbar ist es komplett oder in frei zu wählenden Teilen für nahezu jede Gruppe. Hier klicken…





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