Veranstaltungen im Herbst 2020

MI 16. SEP: Lebenswelten von Jüdinnen im deutschen Südwesten, vom 16. bis zum 20. Jahrhundert

Dr. Barbara Staudinger, Jüdisches Museum Augsburg Schwaben
Veranstalter: vhs Ludwigsburg und Förderverein Synagogenplatz e. V.
Mi 16.09.2020, 19 Uhr,
Kulturzentrum LB, kl. Saal

SA 24. Oktober: Exkursion Ludwigsburger Schicksale in der Zeit des NS-Terrors – die Lebens- und Leidensstationen Ulm und Herrlingen

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Ort von Gewalt und Schrecken: Die Festung Oberer Kuhberg als Nazi-Konzentrationslager

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Historische Postkarte aus Herrlingen

Samstag, 24.10.2020, 8:30 – ca. 20:30 Uhr
Treffpunk: Ludwigsburg, Bahnhofsvorplatz/Bahnhof-Apotheke
Kursgebühr:
25,00 € Kosten (inkl. Eintritte, Führungen, Imbiss, ohne Fahrtkosten)
Fahrt mit BW-Tickets (Bahn und Straßenbahn)
Mindestteilnehmerzahl: 10
Kursleiter: Werner Unseld

Was geschah mit den LudwigsburgerInnen, die 1933 und danach „abgeholt“, „entlassen“, „umgesiedelt“ wurden, die gesellschaftlich diskriminiert, isoliert und weggebracht wurden? Die Exkursion führt an zwei Orte des NS-Terrors: nach Ulm und nach Herrlingen.

Ulm: KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg
Die Nazis handelten 1933 schnell und brutal, um die Demokratie der Weimarer Republik in einen diktatorischen Führerstaat umzuwandeln. Die ersten Opfer waren die politischen Gegner, Kommunisten und Sozialdemokraten. Sie wurden in „Schutzhaft“ genommen und misshandelt. Erste KZs entstanden. Auch aus Ludwigsburg wurde ein halbes Dutzend Personen „abgeholt“, zuerst auf dem Heuberg, anschließend im KZ Oberer Kuhberg, einem ehemaligen Fort am Stadtrand von Ulm, eingesperrt. Zwischen 1933 und 1935 waren dort mehr als 600 Regimegegner inhaftiert, darunter Kurt Schumacher, der spätere SPD-Vorsitzende. Unter den frühen KZs ist der Obere Kuhberg das einzige in Süddeutschland, das baulich weitgehend unverändert erhalten ist.

Herrlingen: Jüdisches Landschulheim und Zwangsaltenheim
Bereits kurz nach der Machtergreifung nahm der NS-Terror auch Juden und Jüdinnen ins Visier. Jenny Heymann (1890-1996), Studienrätin an der Ludwigsburger Mädchenrealschule (heute: Goethe-Gymnasium), wurde am 6. September 1933 wegen Ihrer jüdischen Herkunft aus dem Schuldienst entlassen. Sie ging nach Herrlingen (bei Ulm), konnte dort am jüdischen Landschulheim als Pädagogin weiterwirken.
Das Herrlinger Schulprojekt ist einzigartig. Anna Essinger hatte 1926 die reformpädagogisch ausgerichtete Privatschule mit Internat gegründet. In weiser Voraussicht emigrierte sie 1933 mit 65 ihrer SchülerInnen nach England, setzte dort das Begonnene als „New Herrlingen School“ fort. In die Gebäude in Herrlingen zog zionistischer Geist ein, die Einrichtung nannte sich nun offiziell „Jüdisches Landschulheim Herrlingen“ – ein jüdisches Schulexperiment inmitten von staatlich organisiertem Antisemitismus und zugleich ein Zufluchtsort für jüdische Kinder und PädagogInnen. 1939 wurde das Haus geschlossen, Jenny Heymann floh nach England (und kehrte 1947 nach Stuttgart und an ihre alte Wirkungsstätte in Ludwigsburg zurück).
In den Gebäuden des Landschulheims richteten die Nazis ein jüdisches (Zwangs-)Altersheim ein, eine letzte (Sammel-)Station vor der Deportation. Alle Insassen wurden 1941/42 deportiert, darunter auch LudwigsburgerInnen, ihre Spuren verlieren sich im Transitghetto Izbica.

DI 10. NOV: 18 Uhr: Erinnern und Gedenken auf dem Synagogenplatz 19.30 Uhr: Konzert im KUZ

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Erinnerung. Ermahnung.
82 Jahre nach der Nazi-Brandstiftung in der Ludwigsburger Synagoge
Mit Prof. Dr. Frederek Musall
Dienstag, 10. November 2020 · 18:00 Uhr – 19:00 Uhr · Synagogenplatz Ludwigsburg

Lesung mit Konzert
Erinnerungen an Exil und Heimat · Songs of Exile, Stories of home
Mit Diana Kölz, Juli Holden, Barry Holden und dem vhs-Chor
Veranstalter: vhs Ludwigsburg und Förderverein Synagogenplatz
Dienstag, 10. November 2020 · 19:30 Uhr · Kulturzentrum KUZ, Großer Saal

DI 17. NOV: Buchpräsentation Jenny Heymann (1890 – 1996)

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1915: Jenny Heymann mit der Elementarklasse 2 des Stuttgarter Königin-Katharina-Stifts

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1948: Jenny Heymann mit Abiturientinnen des Ludwigsburger Goethe-Gymnasiums (damals im Altbau des Mathildenstifts untergebracht)

Jenny Heymann (1890-1996) – Lebensstationen einer jüdischen Lehrerin mit bildungsgeschichtlichen Streifzügen durch Württemberg
Jenny Heymann (1890-1996), Studienrätin an der Mädchenrealschule in Ludwigsburg, wurde 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft entlassen. Danach – und bis zu ihrer Flucht nach England 1939 – unterrichtete sie im jüdischen Landschulheim Herrlingen bei Ulm. 1947 kehrte sie nach Stuttgart und an ihre alte Wirkungsstätte in Ludwigsburg zurück.
Über diese engagierte Lehrerin entstand ein Sammelband in Kooperation der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit. Er verbindet die Biographie Heymanns mit bildungshistorischen und regionalgeschichtlichen Entwicklungen. Jenny Heymann repräsentiert das liberale Judentum der Weimarer Republik, lässt die Diskriminierung und Verfolgung durch den Nationalsozialismus greifbar werden und zeigt die Schwierigkeiten und Chancen des Exils in Großbritannien auf. Der vielschichtige gesellschaftliche Neuanfang nach 1945 wird durch Heymann anschaulich, sie beweist Engagement für europäische, grenzüberschreitende und interreligiöse Anliegen.
Zuhörer*innen erhalten im Rahmen der Buchpräsentation unter anderem Einblicke in den Alltag der Ludwigsburger Mädchenschule während der NS-Zeit und das jüdische Landschulheim in Herrlingen von 1933 bis 1939. 


„Rasse“ im Grundgesetz?

Wir denken, da muss sich was ändern. Die Autor*innen des Grundgesetzes wollten einer Ideologie wie dem Nationalsozialismus die menschenfeindliche Grundlage entziehen. Sie Haben den Begriff „Rasse“ verwendet, der nach heutiger Sicht der Wissenschaft zur Unterscheidung von Menschen völlig untauglich ist. Soll der Begriff ersatzlos verschwinden? Ersetzt werden - durch was?
Mit Recht sind die Hürden für Änderungen am Grundgesetz hoch.
Die Debatte sollte nicht einschlafen – aus unserer Sicht ist es problematisch, wenn unsere Verfassung einen grundlegend falschen Begriff verwendet.
Einige Anregungen zur Diskussion finden Sie hier:
Vorschlag von Bündnis 90 / Die Grünen
Artikel von Arno Widmann in der „Frankfurter Rundschau
Kommentar von Gregor Thüsing in „Die Welt“
Beitrag und Links von „Deutsches Institut für Menschenrechte“
Debatte in der BSZ „Bayerische Staatszeitung“

Was ist Ihre Meinung?
Schreiben Sie uns …

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Vielen Dank, Albert Sting!

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Die mit ihm zusammenarbeiten konnten, freuten sich über Albert Sting, seine Klugheit, sein Wissen und seine große Energie. Nun ist er im Alter von 96 Jahren gestorben und hinterlässt viel Dankbarkeit.

Albert Sting hat für die vorwärtsgewandte Erinnerungspolitik in Ludwigsburg Großes geleistet. Von seinem fundierten Wissen hat die Stadtgesellschaft vielfach profitiert, viele Initiativen und Projekte sind mit seinen Arbeiten und seinem Engagement eng verbunden.

Als ein paar Dutzend Menschen sich 2007 im Saal des Ludwigsburger Staatsarchivs trafen, um über die Gründung einer Ludwigsburger Stolperstein-Initiative zu beraten, erweiterte Albert Sting die Diskussion um einen sehr spannenden Gedanken: Er formulierte die Gefahr, dass eine aktive und sich selbst finanzierende Stolperstein-Gruppe in Teilen der Stadtverwaltung und des Gemeinderats zu einer noch weiter nachlassenden Aktivität am Synagogenplatz führen könnte. Damit gab Albert Sting einen wichtigen Impuls für einige der Anwesenden, beide Themen parallel zu betreiben und darauf zu achten, dass das eine nicht gegen das andere ausgespielt werden könne.

Durch seine aktive Mitarbeit im Förderverein Synagogenplatz Ludwigsburg, dessen stellvertretender Vorsitzender er trotz seines schon damals beträchtlichen Alters über viele Jahre hinweg war, hat er diesen Verein geprägt und durch historische und aktuelle Beiträge wieder und wieder bereichert.

Im Dezember 2015, als viel zu viele menschenfeindliche Aktionen sich in der Republik gegen Menschen richteten, die aus existenzieller Not nach Deutschland geflüchtet waren, griff Albert Sting sehr engagiert die Idee auf, in einer Videobotschaft seinen Standpunkt dazu zu formulieren. Angesichts der Brandstiftung in der Ludwigsburger Synagoge 1938 und aktueller Brandsätze gegen Unterkünfte von Geflüchteten fragte er: „Sind irgendwelche Menschen, die jetzt zu uns gekommen sind, unser Unglück?“ – ganz bewusst in Anlehnung an die Propagandasprache der Nazis. Und er widersprach energisch. Mit dem Nachdruck eines Mannes, der ganz bewusst nach seiner Militärzeit den Beruf eines Pfarrers ergriffen hatte, formulierte er „Jeder Fremde ist eine neue Entdeckung für uns“. Und er forderte von jeder und jedem, aktiv zu werden, „um den Anfängen zu wehren“.

Dass Albert Sting bei seinem Ausscheiden aus dem Vorstands-Amt des Fördervereins Synagogenplatz Ludwigburg die Ehrenmitgliedschaft verliehen bekam, war nicht nur eine formale Geste. Es war und bleibt Ausdruck des Respekts und der Dankbarkeit für so viel beherzten und klugen Einsatz.

Darüber hinaus sind alle historisch Interessierten in Ludwigsburg Albert Sting zu großem Dank verpflichtet für seine dreibändige „Geschichte der Stadt Ludwigsburg“, die eine kaum vorstellbare Menge von wichtigen und aussagekräftigen Quellen zum Geschehen in unserer Stadt zur allgemeinen Verfügung stellt.


Synagogenplatz-Verein unterstützt die Initiative „Sicherer Hafen“ in Ludwigsburg


Der Förderverein Synagogenplatz Ludwigsburg unterstützt den fraktionsübergreifenden Antrag an den Ludwigsburger Gemeinderat, die Stadt Ludwigsburg zum Sicheren Hafen für aus Seenot gerettete Geflüchtete zu erklären. Ganzen Text lesen…


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Anregende Beiträge aus Ludwigsburg zur Frage „Was bedeutet der 8. Mai für uns?“: Kurze Videostatements zur Diskussion, ob und ggf. wie die Menschen in Deutschland den Tag feiern sollten, an dem der Nazi-Terror besiegt und der Zweite Weltkrieg beendet wurde. Hier klicken…




Nächstes Treffen:

Sobald absehbar ist, wann der Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz und der Förderverein Synagogenplatz Ludwigsburg e.V. angesichts der Maßnahmen zur Corona-Eindämmung wieder in sinnvoller Weise ihre Aktivitäten aufnehmen können, erfahren Sie hier Näheres.

Wer Interesse hat, schon in dieser „Zwischenzeit“ an digitalen Diskussionen über die Videoplattform Zoom teilzunehmen, kann sich gerne über unsere Mail-Adresse melden; sie/er wird dann gerne in den Verteiler für entsprechende Ankündigungen aufgenommen.

Vielen Dank für das Interesse – nicht nachlassen!

Der Synagogenplatz in Ludwigsburg: Ein Platz des Erlebens, der Nachdenkens, der Begegnung. Ein Platz des Erinnerns und der Mahnung. Und ein Platz der Menschenrechte. Aus furchtbarem Grund ein trauriger Platz. Wenn die richtigen Menschen darauf zusammenkommen: ein schöner Platz.

Der Synagogenplatz ist ein weitgehend leerer Platz. Eine offene Wunde in der Stadt. Er erinnert an die Synagoge, die hier an der Ecke Alleenstraße / Solitudestraße von 1884 an stand.

Er erinnert auch an die Zerstörung dieser Synagoge durch Ludwigsburger Nazis am 10. November 1938. Und er erinnert erst recht an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die unter dem NS-Regime ausgegrenzt, beraubt, verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.

Und er fordert täglich auf, die Menschenrechte zu achten – auch die von Menschen, die heutzutage aus ihrer Heimat fliehen, so wie unter der NS-Diktatur Menschen auch aus Ludwigsburg zu fliehen versucht haben, um ihr Leben zu retten und Freiheit zu finden.