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Das nächste Treffen…

… ist am Donnerstag, 23. Februar, um 19:30 Uhr. Schillerstraße 13/2, Ludwigsburg (Besprechungsraum von INFO & IDEE). Alle Interessierten sind herzlich willkommen! Mehr Informationen…


Gedenkfeier am Freitag, 27. Januar 2023 · 19:00 Uhr

Am Mahnmal bei der Habila (ehemalige Landesfürsorgeanstalt Markgröningen)
Asperger Str. 51 · 71706 Markgröningen
für die 120 ermordeten Menschen aus der ehemaligen Landesfürsorgeanstalt Markgröningen


Hörenswert!

Unter dem Titel „Holocaust-Gedenken am 27. Januar: Erinnerung und Opferkonkurrenz“ veröffentlicht die „taz“ eine Diskussion mit Charlotte Wiedemann, Klaus Hillenbrand und Stefan Reinecke als Podcast (hier anklicken).

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Er wurde 1896 in Ludwigsburg in eine Bäckersfamilie geboren und wurde Verwaltungsbeamter bei der Stadtverwaltung seiner Heimatstadt. Und er war schwul. Was Gott und der Welt hätte egal sein können, setzte den Polizei- und Justiz-Apparat des von Nazis regierten Deutschland in heftige Aktion: Im Januar 1934 wurde er verhaftet: „Wie der Amtsvorstand des Polizeiamts […] mitgeteilt hat, haben die Ermittlungen und das eigene Geständnis des Obersekretärs ergeben, dass er in fortgesetzter Tat widernatürliche Unzucht getrieben hat“, hieß es in der Anklage gegen Wilhelm Osswald.
Osswald hatte seine Liebe zu Männern weder der Familie noch im Freundeskreis mitgeteilt. Vor Gericht verteidigte er sich nun offensiv und kritisierte den § 175 des Strafgesetzbuchs als „völlig unhaltbar“. Das Urteil gegen ihn fiel vergleichsweise milde aus, da er nur eine längerfristige Partnerschaft pflegte und da ein medizinisches Gutachten im eine „gute Persönlichkeit“ attestierte: Er kam für wenige Wochen ins Gefängnis und musste 300 Mark Strafe bezahlen.
Nach der Entlassung aus dem Gefängnis wurde Wilhelm Osswald seines „Amtes enthoben“, jedoch nicht aus dem Dienst entlassen. Der Autor Frederick Bacher, der Osswalds Geschichte 2018 in dem Band „Späte Aufarbeitung – LSBTTIQ-Lebenswelten im deutschen Südwesten“ der Landeszentrale für politische Bildung darstellte, beschreibt Wilhelm Osswald „beruflich und privat vor einem Scherbenhaufen“.
In einem Berufungsverfahren erreichte er, dass er wenigstens finanziell etwas besser gestellt wurde. Er konnte aushilfsweise beim Fleckviehzuchtverband Ludwigsburg arbeiten, beim Kohlhammer-Verlag in Stuttgart und beim Bürgermeisteramt Besigheim. Da er in allen Arbeitsstellen einen guten Eindruck hinterließ, wurde er 1938 bei der Landesfürsorgebehörde fest angestellt. Eine Rückkehr in den Beamtenstatus blieb ihm während der NS-Diktatur verwehrt.
Osswald unterdrückte sein Bedürfnis nach Sex. „Es wäre ein leichtes gewesen, mir insbesondere in Stuttgart meiner Veranlagung entsprechende Erlebnisse zu verschaffen, ich habe aber darauf verzichtet, weil ich mir stets bewusst war, was ich meiner Stellung als Beamter schuldig bin. In der Selbstbeherrschung glaube ich das äußerste geleistet zu haben, was einem Menschen zugemutet werden kann.“
Nach dem Ende der Diktatur sorgte Osswalds Vorgesetzter beim Landesfürsorgeverband, Fritz Haußmann, für seine Weiterbeschäftigung. Seine Homosexualität verbarg Wilhelm Osswald in den Unterlagen zur „Entnazifizierung“ – auch nach dem Niedergang der Nazis war Schwulenfeindlichkeit weit verbreitet und galt der von Osswald hart kritisierte § 175 weiter – bis 1994.
1958 trat Wilhelm Osswald wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand und bezog eine Pension als Beamter. Am 16. März 1970 ist er in Ludwigsburg gestorben.
(Alle Informationen stammen aus dem oben erwähnten Beitrag von Frederick Bacher. ISBN 978-3-945414-47-7)


Schüler*innen des Schiller-Gymnasiums Ludwigsburg erinnern an jüdische Ludwigsburgerinnen und Ludwigsburger.
Am 23. Mai feiern Menschen auf dem Synagogenplatz den Geburtstag des Grundgesetzes – die Verfassung ist eine Lehre aus den NS-Verbrechen.
Am 10. November versammeln sich viele Menschen auf dem Synagogenplatz, weil an diesem Tag im Jahr 1938 die Nazis das Ludwigsburger Gotteshaus anzündeten.
Eine Informationsveranstaltung mit Jugendlichen und Erwachsenen auf dem Synagogenplatz Ludwigsburg.
Beethovens Musik und Schillers Text: „Alle Menschen werden Bründer“, interpretiert von zwei syrischen Musikern auf dem Synagogenplatz.
Bei den Erinnerungsveranstaltungen auf dem Synagogenplatz sind die Koffer-Skulpturen stets stumme Zeugen. Sie erinnern an jüdische Ludwigsburger*innen, die von den Nazis ermordet wurden.
Ein fröhliches Fest auf dem Synagogenplatz? Natürlich auch, denn es gab seine Renovierung zu feiern.
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Schülerinnen und Schüler informieren sich über die Geschichte des Synagogenplatzes und seiner Menschen.
Eine „interreligiöse Tour“ auf dem Synagogenplatz – ein Aufruf zu Wachsamkeit und Toleranz.
HipHop auf dem Synagogenplatz, das Publikum quer durch alle Altersstufen. Perfekt.
Darf man sich auf die Koffer-Skulpturen setzen? Natürlich. Am besten mit vielen Informationen zum Synagogenplatz und den Menschen, deren Namen auf den Koffern stehen.

Ludwigsburger Nazis zerstörten die Synagoge am 10. November 1938. Ihr Platz erinnert heute an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die unter dem NS-Regime ausgegrenzt, beraubt, verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.
Und er fordert täglich auf, die Menschenrechte zu achten – auch die von Menschen, die heutzutage aus ihrer Heimat fliehen müssen.





Rückblick: 10. November 2022 – Erinnerungen an jüdisches Leben in Ludwigsburg


Synagogenplatz > Stadtbad > Stadtarchiv

18:00 Uhr · Synagogenplatz Musik: Duo Aquivocae Arlette Probst, Fagott – Gabriele Lesch, Gesang
Ansprache: Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz: Erinnern, Betrauern, Mahnen.

18:25 Uhr · vor dem Stadtbad Präsentation: Skandal ab 1934: „Juden ist der Zutritt und die Benützung des Stadtbads verboten“

18:45 Uhr · Stadtarchiv · Mathildenstraße 21 Ausstellungseröffnung: „Relikte jüdischen Lebens in Ludwigsburg“
Es gibt nur noch wenige Erinnerungstücke, die Zeugnis vom jüdischen Leben Ludwigsburgs ablegen. In einer kleinen Ausstellung werden sie erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.


20:00 Uhr · Friedenskirche Interreligiöses Konzert für den Frieden
Duo Aquivocae – Arlette Probst, Fagott · Gabriele Lesch, Gesang: Gedichte von Kindern aus dem Konzentrationslager Theresienstadt, vertont von der jüdischen Komponistin Lori Laitman
Martin Stortz (Flügel): „Was zurückbleibt, darf nicht vergessen werden“ von Michael Schultheis, Komponist für Neue Musik, Lehrer und Referent für kirchliche Komposition
Alle drei Musiker*innen als Trio: „Wirst Du mich (= Deinen Nächsten) lieben?“ Musik der muslimischen Komponistin Selena Ryan
Eintritt frei, Spenden sind willkommen · eine Veranstaltung der Evangelischen City-Kirche Ludwigsburg




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