80 Jahre nach der verbrecherischen Brandstiftung:
Erinnerung und Weiterdenken auf dem Ludwigsburger Synagogenplatz mit Konrad Seigfried und Barbara Traub

Starkes Gedenken: Auf dem gut besuchten Ludwigsburger Synagogenplatz erinnerten Konrad Seigfried, der Erste Bürgermeister der Stadt, und Barbara Traub, Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, eindringlich an die Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung, die jüdische Ludwigsburger/innen während der Nazi-Diktatur erlitten. Und sie folgerten daraus die eindeutige Verantwortung, in der heutigen Gesellschaft Partei zu ergreifen gegen jede Tendenz, Gruppen von Menschen ihrer Rechte zu berauben. Hochwertige Musik lieferte das Duo „Merelypaper“ auf Grundlage traditioneller jiddischer Lieder.

Der Redetext von Konrad Seigfried in ganzer Länge
hier… (bitte anklicken)

Konzert mit „Asamblea Mediterranea“
in der Friedenskirche Ludwigsburg

Ein beeindruckendes Konzert: Am 10. November 2018, genau 80 Jahre nach der verbrecherischen Brandstiftung durch Ludwigsburger Nazis in der örtlichen Synagoge, spielte „Asamblea Mediterranea“ in der Friedenskirche Musik sephardischer Juden – eine Erinnerung an eine bessere Zukunft, in der Juden, Muslime, Christen, Anders- und Nichtgläubige in Respekt miteinander leben.



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Der Synagogenplatz in Ludwigsburg: Ein Platz des Erlebens, der Nachdenkens, der Begegnung. Ein Platz des Erinnerns und der Mahnung. Und ein Platz der Menschenrechte. Aus furchtbarem Grund ein trauriger Platz. Wenn die richtigen Menschen darauf zusammenkommen: ein schöner Platz.


Der Synagogenplatz ist ein weitgehend leerer Platz. Eine offene Wunde in der Stadt. Er erinnert an die Synagoge, die hier an der Ecke Alleenstraße / Solitudestraße von 1884 an stand.

Er erinnert auch an die Zerstörung dieser Synagoge durch Ludwigsburger Nazis am 10. November 1938. Und er erinnert erst recht an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die unter dem NS-Regime ausgegrenzt, beraubt, verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.

Und er fordert täglich auf, die Menschenrechte zu achten – auch die von Menschen, die heutzutage aus ihrer Heimat fliehen, so wie unter der NS-Diktatur Menschen auch aus Ludwigsburg zu fliehen versucht haben, um ihr Leben zu retten und Freiheit zu finden.

(Foto: Stadt Ludwigsburg)
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Nächstes Treffen:

Das nächste Treffen von Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz und Förderverein Synagogenplatz Ludwigsburg ist am Donnerstag, 6. Dezember, 19.30 Uhr am Besprechungstisch von INFO & IDEE in der Schillerstraße 13/2, Ludwigsburg (hinter Computer Arlt).
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Falls es vorab Fragen gibt:
dialog[ät]synagogenplatz.de





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Harry Grenville ist gestorben
Dem Nazi-Terror entkommen · Aktiv für Verständigung und Klugheit

Harry Grenville, der als Kind einer jüdischen Ludwigsburger Familie den Nazi-Terror überleben konnte, ist im Alter von 92 Jahren in seiner zweiten Heimat in England gestorben. Der Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz und die Stolperstein-Inititative Ludwigsburg haben damit einen wichtigen Zeitzeugen und engagierten Unterstützer verloren. Zuletzt hatte Harry Grenville im Jahr 2014 die Stadt seiner Kindheit wieder besucht und hielt eine Rede bei der Einweihung des neu gestalteten Synagogenplatzes.

1926 wurde er als Heinz Greilsamer geboren, seine Eltern waren Klara und Jakob Greilsamer – sie war eine Tochter der über Generationen in Ludwigsburg lebenden Familie Ottenheimer, er kam aus dem Badischen und führte gemeinsam mit seinem Schwiegervater die „Württembergische Papierzentrale“. Heinz und seine zwei Jahre jüngere Schwester Hanna verlebten eine glückliche Kindheit in Ludwigsburg, bis die Anhänger des Nationalsozialismus mit seinem Judenhass die Familie immer stärker bedrängte und verfolgte.

Heinz und Hanna mussten 1938 ihre Schule in Ludwigsburg verlassen und in einer jüdischen Schule in Stuttgart unterrichtet werden. Im Juni 1939 konnten ihre Eltern sie mit einem Kindertransport nach England schicken – das Versprechen, man werde sich wiedersehen, war nicht einzuhalten: Jakob und Klara Greilsamer sowie ihre Mutter Sara Ottenheimer wurden 1941 gezwungen, in einem „Judenhaus“ in Stuttgart zu leben. 1942 wurde das Ehepaar mit vielen anderen in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, 1944 wurden sie in Auschwitz ermordet.

Heinz Greilsamer gab sich in England den neuen Namen Harry Grenville. Er machte eine Ausbildung als Laboratoriumsgehilfe und studierte anschließend am Londoner King’s College, um Lehrer zu werden. Er heiratete und wurde Vater von drei Kindern. Zur Verlegung der Stolpersteine, die in der Mathildenstraße an seine Eltern und seine Großmutter erinnern, kam er 2009 mit seinen Kindern und seiner Enkeltochter. Bereits Jahre zuvor hatte er durch eine Geldspende die Anschaffung von Büchern in Schulbibliotheken über die NS-Geschichte ermöglicht.

Durch persönliche Begegnungen und schriftliche Berichte gab Harry Grenville den Aktiven der Stolperstein-Initiative und des Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz viele wertvolle Informationen und viel Motivation für ihre aufklärerische Arbeit. Im Kontakt mit Schülerinnen und Schülern sind seine Notizen und sein persönliches Beispiel der Versöhnung und des wachsamen Umgangs mit Geschichte und Gegenwart wertvolles Material für die Ludwigsburger Initiativen. In seinem Umfeld in England war er ebenfalls bis ins hohe Alter sehr engagiert, um Wissen und Bewusstsein über Judenhass, seine brutalen Auswirkungen und was dagegen getan werden kann, zu verbreiten.

Seine herzliche Art, Menschen zu begegnen, machte Harry Grenville vielen sehr sympathisch. „Damals fühlten wir uns von der Stadt, von den Menschen ausgestoßen“, sagte Harry Grenville bei einem seiner Besuche in Ludwigsburg. Heutzutage dagegen fühlten er und seine Familie, dass sie willkommen seien. Die Trauer über die selbst erlebte Verfolgung und die Ermordung seiner Verwandten konnte er so mit persönlichen Kontakten verbinden, durch die seine Mahnung zu Mitmenschlichkeit und Engagement in Ludwigsburg ankam und bleiben wird.