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1998

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2009

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1998

Werner Unseld hat vielen seiner Mitmenschen viele Anregungen gegeben. Manche mögen es als Provokation empfunden haben, viele haben es sofort als Bereicherung erlebt. Vielen wird dabei gar nicht klar gewesen sein, dass Werner Unseld dahinter steckte, wenn sie ins Staunen oder ins Nachdenken kamen. Ende September ist er im Alter von 69 Jahren gestorben.
Werner Unseld war Soziologe und Kulturwissenschaftler. Er sammelte Wissenswertes, bereitete es verständlich auf, stellte neue Zusammenhänge her und fügte nach sorgfältigem Nachdenken Eigenes hinzu. Er konzipierte Ausstellungen (legendär: „Zwischen Kanzel und Kehrwoche“) im Landeskirchlichen Museum, das von 1994 bis 2006 in der Ludwigsburger Friedenskirche war. Er war in der Leitung des Freilichtmuseums Beuren tätig. Er, der von der Ostalb kam und nie die Mundart verleugnete, sammelte Begriffe lokalen Dialekts in Fellbach und erschloss sie in einem Wörterbuch.
In Ludwigsburg ist eines seiner Konzepte Teil des Stadtbilds geworden: Seit einigen Jahren wird mit Koffer-Skulpturen auf dem Synagogenplatz an die vertriebenen und ermordeten Jüdinnen und Juden der Stadt erinnert. Dies geht auf eine von Werner Unseld angestoßene Aktion von 1998 zurück. Da sammelten Engagierte alte Koffer und malten die Namen verfolgter jüdischer Nachbarinnen und Nachbarn darauf, stellten sie auf dem Marktplatz als temporäres Mahnmal auf und trugen sie in der Nacht zum 10. November auf den Synagogenplatz – 60 Jahre, nachdem Nazis und ihre Helfer die Ludwigsburger Synagoge in Brand gesteckt hatten.
Ein Projekt ist noch nicht vollendet: In den letzten Jahren entwickelte Werner Unseld mit der Ludwigsburger Stolperstein-Initiative ein Konzept für ein Mahnmal am Neckartal-Radweg zwischen Remseck und Ludwigsburg. Unweit dieses Wegs waren in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Männer erschossen worden, weil sie als Deserteure oder Widerständler gegen die nationalsozialistischen Überfälle anderer Länder von Militärgerichten verurteilt worden waren.
Werner Unseld engagierte sich für Projekte, die große Begriffe wie Humanismus und Solidarität in die Sprache des Alltags übersetzten. Dabei setzte er sich nicht nur für große Vorhaben ein. Im Ruhestand hatte er auch kleinere Aufgaben übernommen, um beispielsweise in der Stolperstein-Initiative oder im Arbeitskreis „Dialog Synagogenplatz“ inhaltliche und organisatorische Beiträge zu leisten.
Wenn Ideen oder Initiativen aufkamen, nahm er sich gerne Zeit, um Dinge konsequent zu durchdenken und kritisch zu bewerten. Wenn er dann eine Position vertrat, konnten alle Beteiligten sich sicher sein, dass sie ebenso herzlich wie klug abgewogen war. Das Ergebnis konnte auch sein, dass er eine zunächst attraktiv scheinende Idee unter Gleichgesinnten bremste. Sein freundliches Wesen ermöglichte andererseits auch Menschen, die sich gesellschaftlich ganz anders positionierten, den Zugang zu seinen Gedanken.

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