EhepaarWeiss

Eine Ludwigsburgerin in Israel zu Besuch bei einer früheren Ludwigsburgerin
Stefanie Raab war zu Gast bei Miriam und Menachem Weiss in Shavei Zion – hier ihr Bericht:

Miriam Weiss lebte als Kind in Ludwigsburg – unter anderem bei meinen Urgroßvater in Miete. 1938 musste sie Deutschland zusammen mit ihren Eltern wegen der Judenverfolgung der Nazis verlassen. Die Familie schloss sich einer Gruppe jüdischer Flüchtlinge aus Rexingen bei Horb an und reiste nach Palästina, ins heutige Israel. Dort nahmen sie an der Gründung der Siedlung Shavei Zion teil. Mit ihrem Ehemann Menachem Weiss lebt die frühere Ludwigsburgerin bis heute dort.

Miriam und Menachem Weiss waren zuletzt im Herbst 2012 in Ludwigsburg. Bei der Erinnerungsveranstaltung am 10. November auf dem Synagogenplatz bewegte Miriam Weiss das Publikum mit dem Bericht ihrer Kindheit und ihrer Flucht – und mit ihrem Appell für ein friedliches Zusammenleben.

Im Sommer dieses Jahres, noch vor Ausbruch des besonders gewalttätigen Konflikts mit der Hamas, besuchte ich die beiden. Ich stellte fest: Miriam und Menachem Weiss nehmen regen Anteil an Ludwigsburg und den Veränderungen am Synagogenplatz, der bis zum November 2014 neu gestaltet sein soll.

Sie haben noch einige Freunde in Ludwigsburg und Umgebung. Regelmäßig bekommen sie Artikel aus der Ludwigsburger Kreiszeitung geschickt. Beide haben ihr Deutsch nicht verlernt. Menachem, der in Berlin aufgewachsen war, kann heute noch deutsche Gedichte aufsagen. Sie schauen regelmäßig Deutsches Fernsehen, zum Beispiel die Sendung „Bauer sucht Frau“.

Die beiden Söhne des Ehepaars und deren Familien wohnen nicht mehr in Shavei Zion mit seinem attraktiven Badestrand und archäologischen Ausgrabungen eined byzantinisches Bodenmosaiks.

Das gemeinsame Foto entstand vor ihrem Haus bei meinem zweitägigen Besuch in Shavei Zion. Das Ehepaar Weiss empfing uns mit schwäbischem Käsekuchen. Überhaupt mögen ihre Kinder und Enkel am liebsten Schwäbische Maultaschen. Die muss Miriam allerdings selbst herstellen – anders als in Deutschland kann man sie hier nicht im Supermarkt kaufen.

Abends luden Miriam und Menachem uns in ihr arabisches Stammlokal in Naharija ein. Ich war überrascht zu sehen, wie herzlich sich der Wirt und Menachem begrüßten: Wie gut sich doch Juden und Palästinenser auf der menschlichen Ebene im Alltag verstehen können! Der Besuch war ein Höhepunkt auf unserer Reise.

Stefanie Raab
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Menachem und Miriam Weiss 2012 auf dem Ludwigsburger Synagogenplatz