Videostatement zu Brandtstiftungen

Beeindruckendes Interesse: Fast 12.000 Nutzer/innen von Facebook haben im Januar und Anfang Februar unsere Nachricht über Film und Diskussion zu den Brandstiftungen von 1938 und 2015 gesehen. Den Film haben weit mehr als 1.600 Menschen angesehen. Weitere Resonanz erhielt die Aktion durch Presseberichte wie diesen, den im Internet rund 3.300 Menschen lasen – ganz abgesehen von den Leserinnen und Lesern der verschiedenen Berichte in den gedruckten Ausgaben von Ludwigsburger Kreiszeitung, Stuttgarter Zeitung und Bietigheimer Zeitung. An der Online-Diskussion haben sich vergleichsweise wenige Menschen beteiligt. Ihnen herzlichen Dank und uns allen die Erinnerung: Das Thema ist mit dem Ende der Aktion nicht weniger aktuell und wichtig – leider!

Hier dokumentieren wir unseren Aufruf, den Film mit Albert Stings Fragen und Thesen anzusehen und zu diskutieren:


Als die Ludwigsburger Synagoge von Nationalsozialisten in Brand gesteckt wurde, schauten viele zu, die nicht jubelten – aber doch auch Zustimmung empfanden und keinesfalls dagegen protestierten oder gar handelten. Wieweit ist diese Situation mit den Brandstiftungen an Flüchtlings-Unterkünften im Jahr 2015 vergleichbar? Erfahren diese Verbrechen die gleiche kritische Aufmerksamkeit wie beispielsweise die Taten der Silvesternacht in Köln?
Ludwigsburgs Ehrenbürger Dr. Albert Sting hat hierzu einige Fragen:




Teilen Sie uns Ihre Meinung hierzu mit – schicken Sie uns eine E-MAIL. Alle Beiträge, die rechtlich nicht zu beanstanden sind, werden wir bis zum 22. Januar 2016 in der Reihenfolge des Eintreffens mit Namen der/des Absender/in veröffentlichen (bitte lassen Sie uns wissen, unter welchem Namen wir Sie darstellen dürfen). Wir freuen uns auf eine nachdenkliche und beherzte DISKUSSION (bitte anklicken, um die Beiträge zu lesen).


Diskussionsbeiträge, die uns hierzu erreicht haben:



12. Febraurar 2016
Beitrag von Thomas Titz: gutmenschen und Lügenpressediktatur

Erstmal ist festzuhalten das viele derzeit angeblichen Anschläge keine Anschläge waren, sondern häufig eigenverschulden der Bewohner . Bei einigen angeblichen Anschlägen dürfte es sich false Flag Angriffe handeln. Die heutige Zeit ist mit derselben damaligen kaum zu vergleichen aber eines ist klar, beides sind Diktaturen damals die nazis heute diese gutmenschen und Lügenpressediktatur. Man könnte auch sagen bubisrachediktatur. Was heute geschieht ist der kampf der eliten gegen das eigene Volk !

(Anmerkung des Arbeitskreis Dialog Synagogenplatz: Wir veröffentlichen diesen Beitrag unverändert. Er dokumentiert unserer Ansicht nach eine Haltung einiger Menschen in unserer Gesellschaft – unserer Ansicht nach eine grundfalsche Haltung, in der unbelegte Behauptungen und Meinungsmache sich mischen. Sie zu ignorieren, wäre unserer Ansicht nach falsch – wie weit Menschen mit solcher Haltung durch Diskussionen angeregt werden, ihre Meinung zu überdenken, mag fraglich sein, dennoch ist es für uns notwendig, dem offen entgegenzutreten.)



26. Januar 2016
Beitrag von Frank Hofmann: Bereichernde Erfahrungen statt Vorurteile

Ich setze auf das, was bei Pro Asyl auf den Stickern steht: Der Einzelfall zählt! Wir alle haben doch die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen mit allen unseren Mitbürgern zu machen! Da werden wir feststellen, dass es sympathische und unsympathische Menschen gibt - quer durch alle Bevölkerungsschichten und Nationalitäten. Da werden wir nicht umhin kommen zu erfahren, dass der oder diejenige, die zunächst so anders aussah, redete oder agierte, ein überraschend interessanter, freundlicher und sympathischer Mensch ist. Wir können Beziehungen aufbauen, bei der Arbeit, als Nachbarn, beim Fussball, in der Disco. Und wenn ich jemanden persönlich näher kenne, mit ihm zusammenlebe, dann sollte ich eigentlich nicht auf Pauschalurteile hereinfallen.
 
Ich finde es aber schon bedenklich, welches Klima mittlerweile in unserer Gesellschaft herrscht. Aus meiner Sicht wird in den Medien einfach zu viel über ein Problem gesprochen. Es gibt ja keine Schlagzeilen mehr ohne das Wort "Flüchtling". Ist das wirklich unser größtes Problem? Warum sprechen die Leute z.B. so wenig über den Verkehrskollaps, der jeden Tag bei uns Normalität ist und bei dem überhaupt keine Verbesserung in Sicht ist? Und das obwohl Tausende jeden Morgen entnervt im Stau stehen?
Es scheint manchen Leuten gelungen zu sein, das Thema Flüchtlinge und Migranten so in den Mittelpunkt zu stellen, dass jedeR sich in seinem Wohl bedroht fühlt. Negativmeldungen werden durch anonyme Beobachtungen im Alltag scheinbar bestätigt, die Vorurteile wachsen rasant. Da wird es mir Angst und bange.
 
Ich persönlich wurde im letzten Jahr öfter zu Feiern in die Moschee eingeladen. Das war eine bereichernde Erfahrung. Und ich werde es weiter so machen, dass ich mit voller Überzeugung und ohne Einschränkung meine Kultur lebe und gleichzeitig sehr interessiert bin an der Kultur und dem Leben der Anderen. Das macht total Spaß und es ist erstaunlich wieviel Anlässe sich bieten, wenn man einmal angefangen hat, den Blick zu öffnen.
 
Herzliche Grüße,
 
Frank Hofmann



22. Januar 2016
Beitrag von [Rolf]:

Die Brandstiftungen und gezielten Anschläge auf Einrichtungen, in denen Flüchtlinge und Asylbewerber untergebracht sind, stellen ein großes Verbrechen dar. Auch wenn es dieses Mal nicht von staatlicher Seite unterstützt wird, gibt es für mich doch viele Parallelen, die Anlass zu großer Sorge bereiten. Besondere Sorge bereitet mir, dass ein viel zu großer Teil der Bevölkerung diese Verbrechen nicht nur bagatellisiert, sondern auch noch moralisch gerechtfertigt. Leider habe ich in meinem Bekanntenkreis auch Leute, die diese Anschläge befürworten oder zumindest als eine unvermeidliche Folge einer fehlgeleiteten Politik betrachten. Dies beunruhigt mich sehr.

Über 70 Jahre nach dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte sind wieder Tendenzen da, die wir als Alarmsignale betrachten müssen. Wo sind denn unsere Ideale geblieben, unsere ethischen Werte, für die wir Europäer so lange gekämpft haben? Wenn wir Frieden haben wollen in Europa, müssen wir uns jetzt dazu bekennen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass Brandstifter und politische Hetzer den Teil der Bevölkerung für sich gewinnen, der bisher keine politische Meinung hatte.



20. Januar 2016

Beitrag von Edeltraud Balzer:

Eine offene Diskussion ist notwendig

Die Willkommenskultur und das Motto“Wir schaffen das“ bleiben leere Worthülsen, wenn wir nicht eine offene und differenzierte Diskussion über die richtigen Schritte führen.
Wir haben die große Freude, mit einer anerkannten Flüchtlingsfamilie guten Kontakt zu haben. Die Kinder gehen in den Kindergarten, haben innerhalb weniger Monate gelernt, sich auf Deutsch zu unterhalten. Die Eltern sind hilfsbereit, kooperativ, immer an unserer Kultur interessiert und erzählen auch uns immer wieder von ihrer Kultur, ihrem Glauben und ihren Zielen. Vertrauen ist entstanden. Integration wird gelebt.
Auf der anderen Seite erleben wir auch, dass kritische Anfragen zur gegenwärtigen Situation sofort dazu benutzt werden,  eine rechte Gesinnung zu unterstellen. So werden Gräben aufgerissen.
 
Deshalb ist ein offener, transparenter und in jeder Hinsicht differenzierter gesellschaftlicher Diskurs eine wichtige Voraussetzung für das „Nie wieder etwas Derartiges“.



19. Januar 2016
Beitrag von andreas nothardt:
Auf den ersten blick gleichen sich die bilder von der am 10. november 1938 brennenden synagoge in Ludwigsburg und von den heute überall in Deutschland brennenden asylantenheimen. Die zusammenhänge jedoch unterscheiden sich beträchtlich. Die polizisten und die feuerwehrmänner, die bei den Synagogenbränden im ganzen Deutschen Reich anwesend waren, blieben untätig. Die brandstiftungen ebenso wie die angriffe auf jüdische geschäfte waren von der nationalsozialistischen regierung angeordnet worden. Damals haben große teile der bevölkerung diese angriffe auf die jüdischen staatsbürger, die keineswegs fremde waren, begrüßt. Die wenigen, die diese pogrome ablehnten, trauten sich nicht, öffentlich zu protestieren, da sie mit harten staatlichen sanktionen der Hitlerdiktatur rechnen mussten.

Die fremdenfeindlichen angriffe in der gegenwart werden nur von einer kleinen minderheit begangen und von einer deutlichen mehrheit abgelehnt. Als in Neckargröningen in einem haus in der nachbarschaft des asylantenheimes mitten in der nacht brandsätze gezündet wurden, alarmierten aufmerksame nachbarn umgehend die feuerwehr, die sofort anrückte und den brand löschen konnte. Noch am folgenden abend versammelten sich 100 bis 150 bürger zu einer eindrucksvollen mahnwache vor dem asylheim, an der unter anderen auch der oberbürgermeister teilnahm. Die polizei begannn sofort damit, den hergang zu untersuchen und hat nach spuren der täter gesucht, um sie zur rechenschaft ziehen zu können. Überall in Deutschland werden solche täter von der polizei verfolgt und nicht wie in der nazidiktatur vom staat unterstützt. Fremdenfeindliche demonstrationen werden mit entschiedenen gegendemonstrationen beantwortet.

Trotz dieser positiven entwicklung müssen wir wachsam sein, dass sich keine fremdenfeindliche stimmung ausbreitet. Wir müssen deutlich machen, dass die fremden, die in großer zahl unter schwierigen bedingungen bei uns zuflucht suchen, gute gründe haben, ihre heimat zu verlassen. Diese fremden stellen keine grundsätzliche gefahr für unsere kultur, unsere lebensweise und unseren wohlstand dar. Wir haben erlebt, wie sich in den letzten jahrzehnten eine große zahl von menschen, die aus anderen ländern zu uns kamen, erfolgreich integriert haben und nun selbstverständlich zu uns gehören. Wir müssen uns dafür einsetzten, dass auch diese neuen einwanderer als bereicherung willkommen geheißen werden und dass ihnen eine chance geboten wird, bei uns heimisch zu werden.

 
andreas nothardt




16. Januar 2016
Beitrag von Michael Vierling:

Nachbarschaft eingehen und leben
Nachbarschaft könnte der Begriff sein, mit dem beschrieben wird, dass sich die Menschen für ihr Umfeld interessieren und darum kümmern. Also auch besonders für die Menschen in ihrem Umfeld. Wenn es für die meisten Bürgerinnen und Bürger normal ist, dass ihre Zuständigkeit nicht an der Wohnungs- oder Haustür endet, sondern wenn auch die Mitverantwortung für die Menschen in der täglichen Umgebung empfunden wird. Mancherorts wird der Nachbarschaftsgedanke intensiv gepflegt und gelebt, anderenorts nur wenig.
Die Flüchtlinge sind neue Nachbarn. Aber insofern typische Nachbarn, als Diejenigen, die schon hier wohnten, sie sich nicht aussuchen konnten. Nachbarschaft ist immer Ergebnis von Zufälligkeiten oder Fügungen. Plötzlich sind die neuen Nachbarn da –jetzt die Flüchtlinge, häufig nicht einige wenige, sondern sehr viele auf einmal.
Dann ergibt sich gelebte Nachbarschaft nicht von selbst, dann müssen Hemmungen und Unsicherheiten überwunden werden. Wenn Flüchtlingsheime „Tage der offenen Tür“ anbieten, wenn Asyl-Arbeitskreise Begegnungs-Cafés veranstalten, dann ist die Gelegenheit da, neue Nachbarn kennenzulernen, mit ihnen zu sprechen, an ihren Schicksalen Anteil zu nehmen – vielleicht sogar zu helfen.
Nachbarschaftliches Bewusstsein bedeutet immer, dass man die einzelnen Menschen in der Nachbarschaft schon gesehen hat, vielleicht mit ihnen gesprochen hat, so dass man sich mit ihnen ein Stück weit identifiziert. Dann sind Übergriffe oder Anschläge auf sie oder ihre Häuser unerträglich, weil man sich selbst angegriffen fühlt. Bei den Angriffen auf die jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn und den Brandanschlägen auf die Synagogen in Nazi-Deutschland hat die Nachbarschaftsidee allzu oft versagt.
Damit Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte künftig weniger werden, damit sie unterbleiben, sollte die Stärkung der gelebten Nachbarschaft oberstes Ziel sein – eine Aufgabe für Jeden von uns, aber auch eine Unterstützungsaufgabe für Bürgervereine und für die Politik.



13. Januar 2016
Beitrag von Margit Briegel:

Ich finde Ihre Initiative sehr wichtig und wünsche Ihnen und dem Arbeitskreis viel Erfolg.
 
Mit vielen Flüchtling-Skeptikern diskutiere ich die Brandanschläge und möchte sie aufrütteln, dass die NAZI-Herrschaft auch mit Brandschatzung gegen Fremde begonnen hat und wir uns klar gegen Fremdenhass und Rechtsextremismus positionieren müssen.
 
Vor einiger Zeit  bat ich einen Lokalredakteur der Südwestpresse in Horb am Neckar darum, den durch Brände verursachten Millionenschaden zu thematisieren,  damit die rechte Gefahr in jeder Hinsicht von der Öffentlichkeit ernst genommen wird.
Die Vorkommnisse in Köln sind natürlich äußerst negativ und schaden der Akzeptanz der Flüchtlinge enorm.
 
Ich engagiere mich im Freundeskreis Asyl in Empfingen, Kreis Freudenstadt, und freue mich, dass die Bürger, die unsere Flüchtlinge kennenlernen, einen durchweg positiven Eindruck von ihnen bekommen und sich oft auch einbringen.




13. Januar 2016
Beitrag von [Uli]:

Gute Aktion. Es wäre schön, wenn sich nicht nur Insider an der Diskussion beteiligen.
Wie wäre es, wenn die Azubi der Stadt (nachhaltige Stadtentwicklung...) mal einen Tag an die Schulen gehen und mit gleichaltrigen das Thema diskutieren und in Interviews die Meinungen der Schüler wiedergeben?




10. Januar 2016
Beitrag von Axel Buchtal:

Liebe Engagierte,
 
wie wäre es mit der Installation von Wärmebildkameras, die bei der nächsten Polizeistation Alarm auslösen, sobald sich jemand dem Gebäude nähert ?
Auch bei uns in Baiersbronn gab es in der Vergangenheit drei Brandanschläge auf potentielle Asylunterkünfte. Zur Zeit wird ein ehemaliges Hotel „Sternen“ als Asylunterkunft vorbereitet.
 
Mit freundlichen Grüßen
Axel Buchthal



8. Januar 2016
Beitrag von [Klaus]:

In 1938 verfolgte eine auf NS-Linie getrimmte Bevölkerung  mehr oder weniger zustimmend die Brandschatzungen von Synagogen. Bereits davor gab es bejubelte Übergriffe von Braunhemden auf jüdische Geschäfte mit Schmierereien “kauft nicht bei Juden” und zerstörten Schaufenstern; aber das “.. wusste niemand und keiner war dabei..” 

So ist es ermutigend und tröstlich zu sehen, dass die verbrecherischen Brandanschläge auf Flüchtlingsheime nicht nur durch die Politik verurteilt werden; insbesondere sind es die beherzten Bürgerinnen und Bürger, welche mit Mahnwachen und vielen ehrenamtlichen Aktivitäten gegen Fremdenhass stehen.

Anfang der 90er Jahre hatten wir die Anschläge auf Asylunterkünfte in Rostock-Lichtenhagen, danach gingen Tausende BürgerInnen in ganz Deutschland bei den “Lichterketten” -Demos für Toleranz auf die Straße, auch in Stuttgart. In Frankfurt gab es ein Konzert “Heute die, morgen du” (YouTube) gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Die durch nichts zu rechtfertigenden Verbrechen an Frauen an Sylvester in  Köln, Hamburg und Stuttgart werden jetzt sicher von verschiedenen politischen Gruppen populistisch ausgeschlachtet.

Nicht kirre machen lassen, auch das hatten wir schon einmal. In den 80/90er Jahren stieg angeblich die Kriminalität durch migrierte sogenannte Russland-Deutschen, auch hier geriet eine ganze Personenschicht unter Generalverdacht mit dem Ergebnis, dass die damaligen populistischen “Republikaner” einen ungemeinen Zulauf bei Wahlen hatten. Wehret den Anfängen!

Klaus



8. Januar 2016:
Beitrag von [Wolfgang]:
Ich begrüße diese Aktion sehr. In den heutigen Zeiten ist sie sehr angesagt. Am 10. November 1938 stand eine
klatschende Menschenmenge um die brennende Synagoge in Ludwigsburg, als sie von Nazis angezündet und
und niedergebrannt wurde. Heute stehen an manchen Orten Deutschlands johlende Menschen und Hassparolen skandierende Menschen
vor Flüchtlingsunterkünften. Brandanschläge nehmen in ganz Deutschland zu. Das ist erschreckend.
Deshalb ist es wichtig, dass wir hier vor Ort überlegen, was wir tun können, Übergriffen vorzubeugen.
Ich wünsche der Online-Diskussion viel Zuspruch und gute Ideen für Ludwigsburg.