Diskussion zum Filmbeitrag mit Dr. Albert Sting „Ich frage die Bürger unserer Stadt“. Darin vergleicht er die Brandstiftungen von Nazis an Synagogen im Jahr 1938 (und die Reaktion des Publikums damals) mit den Brandstiftungen an Flüchtlingsunterkünften im Jahr 2015. beträchtliche unterschiede | Diskussion

beträchtliche unterschiede

Beitrag von andreas nothardt:
Auf den ersten blick gleichen sich die bilder von der am 10. november 1938 brennenden synagoge in Ludwigsburg und von den heute überall in Deutschland brennenden asylantenheimen. Die zusammenhänge jedoch unterscheiden sich beträchtlich. Die polizisten und die feuerwehrmänner, die bei den Synagogenbränden im ganzen Deutschen Reich anwesend waren, blieben untätig. Die brandstiftungen ebenso wie die angriffe auf jüdische geschäfte waren von der nationalsozialistischen regierung angeordnet worden. Damals haben große teile der bevölkerung diese angriffe auf die jüdischen staatsbürger, die keineswegs fremde waren, begrüßt. Die wenigen, die diese pogrome ablehnten, trauten sich nicht, öffentlich zu protestieren, da sie mit harten staatlichen sanktionen der Hitlerdiktatur rechnen mussten.

Die fremdenfeindlichen angriffe in der gegenwart werden nur von einer kleinen minderheit begangen und von einer deutlichen mehrheit abgelehnt. Als in Neckargröningen in einem haus in der nachbarschaft des asylantenheimes mitten in der nacht brandsätze gezündet wurden, alarmierten aufmerksame nachbarn umgehend die feuerwehr, die sofort anrückte und den brand löschen konnte. Noch am folgenden abend versammelten sich 100 bis 150 bürger zu einer eindrucksvollen mahnwache vor dem asylheim, an der unter anderen auch der oberbürgermeister teilnahm. Die polizei begannn sofort damit, den hergang zu untersuchen und hat nach spuren der täter gesucht, um sie zur rechenschaft ziehen zu können. Überall in Deutschland werden solche täter von der polizei verfolgt und nicht wie in der nazidiktatur vom staat unterstützt. Fremdenfeindliche demonstrationen werden mit entschiedenen gegendemonstrationen beantwortet.

Trotz dieser positiven entwicklung müssen wir wachsam sein, dass sich keine fremdenfeindliche stimmung ausbreitet. Wir müssen deutlich machen, dass die fremden, die in großer zahl unter schwierigen bedingungen bei uns zuflucht suchen, gute gründe haben, ihre heimat zu verlassen. Diese fremden stellen keine grundsätzliche gefahr für unsere kultur, unsere lebensweise und unseren wohlstand dar. Wir haben erlebt, wie sich in den letzten jahrzehnten eine große zahl von menschen, die aus anderen ländern zu uns kamen, erfolgreich integriert haben und nun selbstverständlich zu uns gehören. Wir müssen uns dafür einsetzten, dass auch diese neuen einwanderer als bereicherung willkommen geheißen werden und dass ihnen eine chance geboten wird, bei uns heimisch zu werden.

 
andreas nothardt