Erinnerungsveranstaltung am 10. November 2013

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Rund 400 Interessierte waren zum Synagogenplatz gekommen, um an die Zerstörung der Ludwigsburger Synagoge vor genau 75 Jahren zu erinnern. Der frühere württembergische Landesrabbiner Joel Berger war als Hauptredner gekommen. Als Kind war er dem Völkermord der Nazis nur (wie viele andere, doch anders als viele Mitglieder seiner Familie) durch die verwegenen Aktionen des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg in Budapest entgangen. Er beklagte, „in der Stunde der Tragödie“ hatten hätten die meisten Juden „keine Freunde“ mehr gehabt, keine Solidarität erfahren. Er würdigte die demokratische Entwicklung, die Deutschland nach dem Ende des NS-Regimes durchlaufen habe und die heute spürbare Unterstützung.

Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec erinnerte an die Verantwortung jedes einzelnen, wenn Menschen bedroht und verfolgt werden. Dass es heutzutage weniger Mut erfordere, für seine Überzeugungen und für Menschlichkeit einzustehen als 1938 vor der brennenden Synagoge, dürfe nicht zum Ausruhen verleiten: Beispielsweise auch die Flüchtlinge dieser Welt im Jahr 2013 brauchten Unterstützung, gab der Oberbürgermeister zu verstehen.

Die Kantorei der Karlshöhe Ludwigsburg unter der Leitung von Tobias Horn gestaltete in beeindruckender Weise die Veranstaltung musikalisch mit drei Psalm-Vertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der christlich erzogene Enkel des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn hatte die alttestamentarischen Texte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vertont. Joel Berger wies diejenigen, denen der Zusammenhang nicht klar war, darauf hin, dass diese Texte jüdischen Ursprungs sind.