Teils löblich, teils hoch problematisch: Der Beschluss

6. November 2013:
Vier Tage vor dem 10. November, an dem an die Synagogenbrandstiftung vor 75 Jahren erinnert werden soll, fasst der Ludwigsburger Gemeinderat einen bemerkenswerten Beschluss - auf den ersten Blick sieht er nach einem guten Erfolg der jahrelangen Diskussionen und Bürgerbeteiligung aus: Der Platz soll dort, wo die Synagoge stand, um eine Stufe angehoben werden, diese Stufe soll bei Nacht beleuchtet sein. Auf diese Weise wird an das hier zerstörte Gebäude noch stärker als bisher erinnert. Dazu soll eine Skulptur von 20 bis 25 Koffer-Nachbildungen mit den Namen und Lebensdaten von Jüdinnen und Juden aus Ludwigsburg an diese ermordeten Nachbarinnen und Nachbarn erinnern. Weitere Informationen über diese und weitere Mitglieder der Ludwigsburger jüdischen Gemeinde, ihr Leben, Verfolgung und Ermordung oder Überleben sollen in einer elektronischen Informationssäule angeboten werden. Die beiden bisherigen Gedenksteine sollen bestehen bleiben - ihre Geschichte wird ebenfalls in der Infosäule erläutert. Der frühere Synagogenraum soll frei von Bäumen bleiben.

Auf den zweiten Blick ist der Beschluss abgründig: Die veranschlagten Kosten von rund 360.000 € sollen lediglich 240.000 € von der Stadt getragen werden, der fehlende Betrag soll durch Spenden erzielt werden. Die Argumente der Gemeinderatsminderheit, solche Kostenverweigerung sei nicht notwendig und extrem unüblich (ein Quadratmeter Synagogenplatz kostet den vorliegenden Kostenschätzungen nicht mehr als ein Quadratmeter Fußgängerzone), setzten sich nicht durch. Statt dessen argumentierten CDU- und FWV-Vertereter damit, dass vor zwei Jahren viel weniger Geld für dieses Projekt vorsorglich in den Haushalt eingestellt worden sei.

Dass die damals eingestellte Summe von 120.000 € lediglich ein Merkposten war und dass ihr keinerlei Kostenschätzung zugrunde lag, ließen die Konservativen nicht gelten. Sie zeigten sich förmlich erregt über die von ihnen so genannte „Verdreifachung“ der Kosten.

Dass die Herren, die dies formulierten, viel zu intelligent sind, um dieses Scheinargument ernst zu meinen, lässt zwei Besorgnis erregende Schlüsse zu: Entweder ist ihnen die angemessene Erinnerung an die Nazi-Verbrechen in Ludwigsburg und ihre Opfer nicht so viel Geld wert (während vergleichbare und weit höhere Summen ohne Diskussionen beschlossen wurden, wenn es um ganz andere Themen ging). Oder die eigentlichen Gründe für diese Teil-Sabotage des Beschlusses wurden überhaupt nicht angesprochen - und das lässt leider düsterste Spekulationen über das Geschichtsbewusstsein vieler konservativer Gemeinderatsmitglieder zu…

Als Ergebnis bleibt ein sehr passabler Plan für den Synagogenplatz mit einer Mehrheit im Gemeinderat, aber ohne vollständige Finanzierung durch die Gemeinderatsmehrheit. Jochen Faber, der Vorsitzende des Fördervereins Synagogenplatz Ludwigsburg, findet den Beschluss „zwiespältig und daher schändlich für die Gemeinderatsmehrheit“.