Kritische Stimmung nach unklaren Signalen

Juni 2013:
Der Arbeitskreis wendet sich strikt gegen Überlegungen, wie sie aus der Stadtverwaltung zu hören waren – nämlich eine Aufteilung des Vorhabens in zwei Stufen zu erwägen (zunächst - und aus dem Haushalt finanziert - die Erstellung eines regenwassertauglichen Untergrunds mit besserer flächiger Gestaltung sowie verbesserte elektrische Ausstattung des Platzes und ggf. elektronische Informationssäulen, in einer zweiten Phase - und durch Stiftungsgelder und Spenden zu finanzieren - die Errichtung der Skulptur aus Koffer-Abbildungen, die an die Koffer der Deportierten erinnern). Der Arbeitskreis fordert noch deutlich vor dem 75 Jahrestag der Synagogenzerstörung am 10. November dieses Jahres einen Gemeinderatsbeschluss für eine ganzheitliche Lösung.

Hier der Wortlaut der Resolution:
Der erneuerte Synagogenplatz
muss als ganze Lösung verwirklicht werden!

Der Arbeitskreis „Dialog Synagogenplatz“ lehnt die Idee der Stadtverwaltung Ludwigsburg ab, die Neugestaltung des Platzes in zwei Projektteile zu zerlegen - einerseits die Aufbereitung der Platzfläche samt technischer Einrichtungen und andererseits die Entwicklung und Umsetzung der Skulptur aus Koffer-Darstellungen, die mit den Namen und Lebensdaten deportierter und ermordeter jüdischer Ludwigsburgerinnen und Ludwigsburger beschriftet sind.

In seiner Sitzung am 13. Juni forderte der Arbeitskreis, die Umgestaltung als Ganzes zu planen, im Gemeinderat zu beschließen und auf einmal umzusetzen. Er unterstrich dabei auch die Forderung, auf der Fläche der ehemaligen Synagoge keine neuen Bäume zu pflanzen, sondern Bäume zur Abgrenzung vom direkt benachbarten Bankgebäude und entlang der Alleen- und der Solitudestraße vorzusehen.

Auch wenn es ein großer Aufwand sein mag, die Oberfläche des Synagogenplatzes regenwassertauglich herzustellen, ist dies nicht der Schwerpunkt dessen, was der gemeinsame Arbeitskreis aus Gemeinderäten, Stadtverwaltung und Mitgliedern des Arbeitskreises „Dialog Synagogenplatz“ im Herbst letzten Jahres nach intensiver Bürgerbeteiligung erarbeitet hat: Das zentrale Element der vorgesehenen Gestaltung ist die Skulptur aus Kofferdarstellungen.

Den erneuerten Synagogenplatz als Ganzes zu verwirklichen, ist Kern des sorgfältig entwickelten Konzepts, das auf dem Bewusstsein zeitgemäßer Erinnerungskultur und der geschichtlichen Verantwortung gegenüber den Verfolgten und ihren Nachfahren, aber auch der jungen Generationen in Ludwigsburg beruht.

Zur Ausgestaltung des Platzes hat der Arbeitskreis folgende Positionen entwickelt: Die Koffer müssen nicht die Gesamtzahl der ermordeten jüdischen Ludwigsburgerinnen und Ludwigsburger darstellen. Auf Grundlage der Koffer-Aktion aus den 1990er-Jahren scheint eine Zahl von circa 50 Koffern die für den Platz beste Menge zu sein. Die Koffer sollen einen realistischen Eindruck von Koffern der Zeit zwischen den Weltkriegen erwecken und in verschiedenen Grau- und Braun-Tönen gehalten sein. Wenn es sich ergibt, mit Abguss- oder Abdruck-Formen zu arbeiten, sollten zumindest sechs bis acht Formen verwendet und die Einzelstücke dann farblich unterschiedlich gestaltet werden.

Als vertiefende Informationsträger können nach Ansicht des Arbeitskreises ausschließlich digitale Informationsstelen mit entsprechend ausgearbeiteten Inhalten verwendet werden. Zumindest für etliche Jahre scheint uns dies der beste Weg. Im Gegensatz zu einer Ausstattung mit fester Beschriftung und QR-Codes zur Ergänzung können beispielsweise zwei Informationsstelen auch den Treffpunkt-Charakter des Platzes fördern. Die Bildschirme müssen nicht unbedingt über eine Touchsreen-Oberfläche bedient werden (auch wenn die Hersteller große Fortschritte in den vergangenen Jahren reklamieren), sondern können auch über eine einfache Steuerung mit wenigen Tasten funktionieren. Die Kosten für eine solche Stele ohne Ausarbeitung der Inhalte liegt bei ca. 10.000 bis 12.000 €. Auf den Bildschirmen kann, wenn keine Informationen gezielt abgerufen werden, eine ruhige Folge von Portraits verfolgter jüdischer Bürgerinnen und Bürger der Stadt einen wichtigen Beitrag zum Gesamteindruck leisten, den der Platz Passant/innen und Besucher/innen vermittelt.
Wenn die Gedenksteine aus den 1950er- und 1980er-Jahren zur Dokumentation der Auseinandersetzung mit der Geschichte weiter auf dem Platz gezeigt werden sollen, darf dies nicht die Koffer-Installation stören. Eine Präsentation am westlichen Ende des Platzes könnte dies leisten.

Für den Arbeitskreis „Dialog Synagogenplatz“ ist es nach wie vor unerlässlich, noch deutlich vor der 75. Wiederkehr der quasi-offiziellen Brandstiftung im November dieses Jahres eine umfassende und ganzheitliche Erneuerung des Ludwigsburger Synagogenplatzes zu beschließen.