Aktion auf dem Wochenmarkt

Großer Zuspruch beim Wochenmarkt

Sehr gute Resonanz bekamen die Aktiven des Arbeitskreises „Dialog Synagogenplatz“ bei ihrem ersten Infostand auf dem Ludwigsburger Wochenmarkt am 24. April 2010. Noch keine konkreten Vorschläge zu einer künftigen Gestaltung des Platzes oder Diskussionen darüber waren das Ziel, sondern mit den Menschen in der Stadt ins Gespräch zu kommen, Meinungen und Stimmungen zu erfragen, aber auch die eigene Sichtweise auf den Synagogenplatz bekannt zu machen.

Über 210 Rückmeldungen gab es, davon 140 schriftlich (teilweise von Paaren oder Familien) – hiervon die meisten nach Gesprächen, bei denen die Arbeitskreis-Mitglieder in einem Fragebogen Notizen machten, manche Passant/innen haben den Fragebogen selbstständig ausgefüllt.




Über 70 % empfinden den Platz demnach als „nicht so schön“, „nicht ansprechend“, „nichts sagend“, „nicht in Ordnung“, „altbacken“, „schlecht“, „schlimm“, „hässlich“, „trist“, „einsam“, „traurig“, „unwürdig“, „schrecklich“, „eine Schande“ und „dringend renovierungsbedürftig“. Der Platz sei „trostlos“, für eine Neugestaltung sei es „höchste Zeit“. Sie bemängelten, dass die besondere Geschichte „nicht erkennbar“ sei. Es gab die Zuversicht „da kann man mehr draus machen“.

Bei den Beweggründen für die Forderung nach Veränderung waren der Wunsch nach angemessenem Umgang mit der Stadtgeschichte und nach geeignetem Gedenken an die Ludwigsburger Jüdinnen und Juden, die dem NS-Terror zum Opfer fielen, sehr starke Schwerpunkte. Die Verschönerung eines städtischen Platzes war ein sehr viel schwächeres Motiv.

Rund zwölf Prozent finden den Platz „schön“, „auf jeden Fall besser als früher“, „gut, weil er Bäume hat“, „ein Platz zum Ausruhen“ oder finden ihn auch als Erinnerungsort geeignet, weil das Fehlen der Synagoge auch eine Aussage darstelle. Ein Ludwigsburger Mitglied der Stuttgarter Jüdischen Gemeinde lobte, dass es den Platz überhaupt gibt.

Ebenfalls rund zwölf Prozent kennen den Platz zwar, haben aber keine Meinung dazu, oder sie kennen ihn gar nicht.

Zwei Befragte verknüpften die Frage der Synagogenplatz-Gestaltung mit der aktuellen Politik Israels, und da sie diese ablehnten, sähen sie „keinen Handlungsbedarf“.

Zwei Passanten äußerten sich extrem judenfeindlich oder wehrten die Frage mit der Formulierung ab, es sei „doch schon alles bezahlt“.


Darüber hinaus gab es einige sehr bewegende Gespräche, in denen die Zeit des Faschismus in Ludwigsburg allgemein oder die Zerstörung der Synagoge speziell angesprochen wurden. Ein älterer Herr berichtete, dass er als Achtjähriger in der Menge gestanden sei, als am Nachmittag des 10. November 1938 die Synagoge gebrannt habe. Etwa 150 Leute hätten da wohl zugeschaut, alle seien schweigend dabei gestanden. Eine Frau habe einen anwesenden Feuerwehrmann gefragt: „Warum löscht Ihr denn nicht?“ und die Antwort bekommen: „Frau, seien sie still, wir dürfen nicht.“ Dieses Erlebnis bewege ihn bis heute.